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Die Eurokrise: Katastrophe oder Kinderkrankheit?



Zur Zeit haben die Propheten des baldigen Untergangs des Euro Konjunktur, vor allem bei den Angelsachsen, die die europäische Währung stets mit einem scheelen Blick betrachteten. Dazu gesellen sich die Weltökonomen, die immer schon wussten, dass eine Währung ohne Nation und Finanzminister ebenso flugunfähig ist wie die Hummel.

Ist der Euro also zum Untergang verurteilt? Wird er in einem Strudel von Inflation, Transferzahlungen und Streit versinken, hämisch kommentiert von der Bildzeitung?

Es muss nicht so kommen. Die Ökonomen haben ja Recht, dass die Schlamperei der europäischen Finanzminister und die tief verwurzelte Inflationsmentalität der Institutionen, der Wirtschaft und der Konsumenten in den traditionellen Weichwährungsländern die gemeinsame Währung untergraben haben.

Das sűsse Gift niedriger Zinsen und die scheinbare Űberfűlle anlagehungrigen Kapitals auf den globalen Geldmärkten verleiteten eine Regierung nach der anderen, sich schleichend oder hemmungslos zu verschulden.

Der Krug ging so lange zum Brunnen, bis er brach. Er wird nie mehr heil werden. Alle Euroländer (und andere auch) werden in Zukunft misstrauisch beobachtet werden, was ihre Solvenz anlangt. Das heisst, die Zinsen fűr Staatstitel, die nunmehr als riskant gelten, werden höher sein als in der Vergangenheit. Der Schuldendienst wird teurer werden, nicht nur fűr die űblichen Verdächtigen, sondern auch fűr Länder wie Deutschland, die nun fűr die Pleiten der Anderen haften.

Das erschwert das Abtragen des Schuldenbergs, dessen wirkliche Höhe und Konsequenz fűr die Zukunft die Regierungen erst jetzt schaudernd erkannt haben. Welche Kurskorrekturen erzwingt die neue Lage?

Zunächst werden sich alle Regierungen beműhen, die Neuverschuldung zu bremsen oder in Netto-Schuldenabbau umzuwandeln. Harte Finanzminister wie einst Fritz Schäffer und jetzt Giulio Tremonti werden gefragt sein, Traditionelle Weichwährungsländer werden sich knurrend dem Diktat des Internationalen Währungsfonds und der Hartwährungsländer unterwerfen, da ihnen die Flucht in die Geldmärkte durch ruinöse Zinsen versperrt ist.

Den Euro wird aber keines der Länder aufgeben wollen, denn nur die gemeinsame Währung bietet die Chance, nach Durchleidung der Hirsebreiphase irgendwann wieder in das Paradies des Wachstums in Wohlstand zurűckzufinden. Nur die gemeinsame Währung bietet den Wachstumsbonus eines riesigen gemeinsamen Marktes ohne Handelsschranken, bei niedrigem Zinsniveau.

Man kann fűglich erwarten, dass jene Forderungen nach gemeinsamer Finanz- und Wirtschaftspolitik der Euroländer, die nun endlich lautstark erhoben werden, tatsächlich erfűllt werden. Nach dem Debakel der Aushandlung des astronomischen Rettungspakets wird niemand mehr den Mut haben, die Opferung eines Stűckes der Souveränität zur Erhaltung des Euro zu verweigern. Selbst Berlin wird diese Kröte schlucken.

Der erzwungene Prinzipienbruch der Europäischen Zentralbank, die nunmehr erstmals durch ihre nationalen Mitgliedsbanken in grossem Umfang notleidende Staatstitel aufkauft, wird spätestens dann beendet werden, wenn im kommenden Jahr voraussichtlich der jetzige Bundesbankpräsident Weber Nachfolger des EZB-Präsidenten Trichet wird.

Es ist also damit zu rechnen, dass von nun an in den Euro-Hauptstädten fiskalische Sparsamkeit geűbt wird und der potentiell inflationäre Staatstitelkauf der EZB ein Ende findet. Zwei, drei Jahre der Frugalität sollten genűgen, um den psychologischen Schaden der jetzigen Eurokrise teilweise zu reparieren und das Misstrauen der Geldmärkte zu verringern.

Sollte das gelingen, so wűrde der Euro gefestigt aus der Krise hervorgehen. Man kann die jetzige Krise als eine böse Kinderkrankheit der jungen gemeinsamen Währung begreifen. Eine Krankheit, die in der Unvollkommenheit der Strukturen begrűndet lag. Niemand kann die Europäer jedoch daran hindern, die Strukturen so zu ändern, dass der Euro in Zukunft wie eine normale Währung funktioniert.

Die Verantwortung dafűr liegt allein bei den Politikern. Bei der Garnitur, die jetzt die Macht innehat. Wir sollten sie scharf beobachten.

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—— Benedikt Brenner